Das einzige Kapital des Autors
Das einzige Kapital des Autors
Die Technik eines Blogs ist nicht wichtig
In seinem New Yorker Vortrag im Rahmen der O’Reilly Tools of Change for Publishing Conference unterstreicht der Marketingguru und Bestseller Autor Seth Godin, dass der Erfolg eines Blogs in der Architektur seiner Ideen besteht. Seine technische Performance ist zweitrangig.
Er zeigt uns Beispiele, wie er seine Bücher vermarktet – ohne sie zu vermarkten. Einfach nur, indem er Interessensgruppen mit guten Ideen begeistert. Und er weist darauf hin, dass die Hauptaufgabe eines Verlegers heute die Befähigung der Autoren ist, sich mit ihren Lesern auszutauschen.
Die zentralen Thesen zum virtuellen Marketing
Das Buch ist ein Souvenir, das an ein gutes Erlebnis erinnert. Man freut sich, es komplett zu besitzen. Es erinnert einen an eine Tagung, eine Persönlichkeit oder eine besondere Erkenntnis.
Das Interesse des Lesers ist die das einzige Kapital des Autors. Der Leser hat nicht die Inhalte zu akzeptieren, sondern die Inhalte werden für den Leser geschrieben.
Virtuelle Konversationen sind Marketing! Deine Fans unterhalten sich über dich und mit dir, weil du die richtigen Dinge schreibst.
Blogs funktionieren. Weil man durch Blogs mit anderen Menschen in Kontakt kommt!
Sehen Sie sich den kompletten Vortrag hier an:
Seth Godin über das Buchgeschäft
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Der Autor und sein Buchladen!
Gedanken aus dem Buchmarkt
„Es gibt diese Sehnsucht nach dem Laden“, so der Schriftsteller Burkard Spinnen im Gespräch mit dem Münchner Unternehmer Michael Lemling (Buchhandlung Lehmkuhl, Schwabing). Überraschung! Das Gespräch anlässlich der Frankfurter Buchmesse geht wieder Mal nicht um die Leser.
Sondern man diskutiert, ob und wann Buchhandlungen für Autoren Orte der Sehnsucht, des Wohlfühlens sind. Leider gibt der Beitrag auf buchjournal.de nur wenig Essentielles aus diesem Gespräch wieder.
Freilich raisoniert die wehmütige Meldung vom kulturellen Wert, den Buchhandlungen einst hatten, und beschwört, das möge doch so bleiben. Eine geschlossene (Buch-)Welt bespiegelt sich – am Beispiel des Autors und seines Buchladens. So offenbart sich das Elend einer ganzen Zunft.
Der Leser kommt nicht vor
Nicht etwa als wichtiger Testleser des Buchhändlers oder gar als Brücke zwischen Lesern und Verlag erscheint der Autor hier, sondern eher als Querulant und Bücherdieb. Das mag amüsieren. Die Dynamik hingegen, die ein funktionierendes Lesepublikum für den Erfolg einer Buchhandlung haben könnte, erwähnt Lehmkuhl-Inhaber Lemling nur am Rand.
Dass er die „Beratung“ der Kundschaft durch seine Mitarbeiter überhaupt hervorhebt, ist ein Indiz dafür, mit welcher Kaltschnäuzigkeit Kunden im Normalfall ignoriert werden. „Keine Angst, in Datteln bestimme ich, was gelesen wird“, zitiert etwa Spinnen den lokalen Buchhändler. Die Äußerung liegt lange zurück und dieser „Geschäftsmann“ wurde sicher längst das Opfer seiner Bestimmung. Gleichwohl!
Auch die Abscheu vor dem „Einzug von Eierbechern und Plüschtieren“ in den Buchhandel zeigt die groteske Weigerung, sich mit den Bedürfnissen der Kunden zu beschäftigen. Die Zukunftsangst stolziert hier im Gewand der Hochnäsigkeit daher und sitzt tief in diesen Menschen. Sie bringen im selben Atemzug als Argument gegen eBooks hervor, sie seien halt mehr “die haptischen Typen”. Ja sind denn die Kinder, die Bücher UND Plüschtiere wollen, keine haptischen Typen!?
Amazon interessiert sich für mich!
Amazon kennt dank guter Tools meinen Geschmack und regt mich mit aufmerksamen Empfehlungen zum Lesen an. Und so bleibt es mir erspart, mich zwischen Kubikmetern uninteressanter „Stapelware“ (ein Buchhandelsausdruck!) zu verlieren oder mich mit meinen Fragen dem Ekel gelangweilter Stadtteilbuchhändlerinnen auszusetzen.
Buchhandlungen verstehen sich nicht als Gemeinschaft mit Ihren Kunden, als „Social Community“. Wenn man die Kunden nicht schleunigst fragt, was sie bewegt und wie sie sich das Einkaufen wünschen, wenn man sie nicht als wichtigen Gesprächspartner akzeptiert, verschwindet man aus dem Adressverzeichnis der Stadt. Aber dazu müsste man gehörig umdenken und neu kalkulieren. Von der Idee eines Kinderlands wie etwa bei IKEA, das Eltern den Einkauf erleichtern würde, ist man im deutschen Buchhandel ohnehin weit entfernt!
Hier geht’s zu dem buchjournal-Artikel
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Was hat Goethes “Mädchenbusen” mit eBooks zu tun?
Die Frage mögen Sie zu Recht stellen. Und doch: es wohnt diesem Gedicht ein Zauber inne. Goethes Ritt auf der erotischen Rasierklinge ist die damals zeitgemäße Versöhnung von Technik und Eros. Nichts anderes geschieht, wenn sich den Lesern von eBooks – einem sehr technischen Instrument – Erlebniswelten erschließen, obwohl das eBook nicht nach Staub riecht und sich darauf auch keine Rückstände wie Schweiß und dergleichen befinden.
Die Lektüre von eBooks folgt dem gleichen Prinzip wie alles Lesen: man gleicht die Buchstaben, die vor einem stehen, mit seiner inneren Welt ab. Je höher die Übereinstimmung zwischen gelesenen und inneren Bildern, um so größer ist das Lesevergnügen. Deshalb ist dieses kleine Gedicht von Goethe so köstlich. Die “Haustürklingel” enthebt den Autor jeder Zotigkeit und bringt Leser und Leserinnen doch ins Schwingen. Lesen Sie selbst:
“Die Haustürklingel an der Wand,
…der Mädchenbusen in der Hand
sind beides Dinge wohlverwandt.
Denn, wenn man beides leis’ berührt,
man innen drinnen deutlich spürt,
dass unten draußen einer steht,
der sehnsuchtsvoll nach Einlass fleht.”
Anstatt sie mit Osterspaziergängen zu langweilen, sende ich meinen Lesern diesen kleinen Gruß!
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Urheberrecht – ein romantisches Konstrukt
Erzählte Überlieferung von Geschichte und Geschichten ist ein Grundelement aller Kulturen. Freilich galt das besonders zu Zeiten, in denen die schriftliche Reproduktion von Texten kaum stattfand. Ich erinnere an das Wessobrunner Gebet! Gleichzeitig waren geschriebene Texte jedweder Machart immer der Motor für gesellschaftliche, wissenschaftliche und technische Entwicklungen.
Die Mechanismen der mündlichen Weitergabe von Informationen (Geschichte) und Ereignissen (Geschichten) machen sich auch heute alle Medien zu Nutzen. Eine Information, ein Film oder ein Buch sind völlig wirkungslos, wenn sie nicht von jemandem gesehen oder gelesen werden. Nicht umsonst ist Mundpropaganda nach wie vor die beste Werbung.
Jede Meldung, jeder Werbespot und jedes Buch setzen auf diesen emotionalen Effekt: der Empfänger gibt etwas weiter an seine Nächsten, er begeistert und interessiert sie. Der Like-Button ist doch eine emotionale Empfehlung!
Diese virtuelle „Mundpropaganda“ ist gerade im Bereich von Internet und eBooks wichtiger denn je. Sollte es etwa ein Zufall sein, dass ausgerechnet Twitter (zu deutsch Gezwitscher), die weltweite Drehscheibe für Kurzinformationen, nicht nur für sich genommen extrem erfolgreich ist. Der Erfolg vieler eBooks ist zu einem erheblichen Teil dem Twittern zu verdanken, dem virtuellen Zwitschern und Werben, das sich „in Schallgeschwindigkeit“ durch die digitale Atmosphäre verbreitet. Eine dieser Tweet genannten Kurznachrichten ist zwar nicht länger als 140 Zeichen.
Im Twittern ist alles enthalten, was erzählte Überlieferung ausmacht: die Verfasser von Tweets nehmen es häufig mit dem Verweis auf Urheberschaften nicht so genau, die Internet-Links, die sich an die Tweets anhängen lassen, verbreiten sich ebenso schnell, wie sie sich als „Tatsachen“ verfestigen. Und es gibt Anführer mit zahlreichen Followern. Von hier bis zu den modernen Mythen („Die Cousine meines Schwagers kennt einen, der…) ist es nicht weit.
Was hat das nun mit Urheberrecht zu tun und was meine ich mit dem Begriff romantisches Konstrukt? Das können Sie nachlesen in meinem kleinen eBook Kurze Geschichte des Buchs in 35000 Zeichen Von Gutenberg bis zur App.
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Vom Ende der Zensur
Die über 500 Jahre alte Dominanz von Verlagen als Gralshüter von Qualität und Korrektheit erodiert seit Jahren, und das ist gut so. Das „Internet“ als Inbegriff lästiger digitaler Neuerungen macht den Verlagen zu schaffen. Jeder kann heute ohne besondere Kenntnisse seine Inhalte als eBook über das Internet verbreiten.
Seit Gutenbergs Zeiten legten Verlage als die Besitzer teurer Druckverfahren und exklusiver Vertriebswege fest, was dem Leser zu gefallen hat, und übten damit faktisch Zensur in großem Stil aus.





