Der Autor und sein Buchladen!

Gedanken aus dem Buchmarkt

„Es gibt diese Sehnsucht nach dem Laden“, so der Schriftsteller Burkard Spinnen im Gespräch mit dem Münchner Unternehmer Michael Lemling (Buchhandlung Lehmkuhl, Schwabing). Überraschung! Das Gespräch anlässlich der Frankfurter Buchmesse geht wieder Mal nicht um die Leser.

Sondern man diskutiert, ob und wann Buchhandlungen für Autoren Orte der Sehnsucht, des Wohlfühlens sind. Leider gibt der Beitrag auf buchjournal.de nur wenig Essentielles aus diesem Gespräch wieder.

Freilich raisoniert die wehmütige Meldung vom kulturellen Wert, den Buchhandlungen einst hatten, und beschwört, das möge doch so bleiben. Eine geschlossene (Buch-)Welt bespiegelt sich – am Beispiel des Autors und seines Buchladens. So offenbart sich das Elend einer ganzen Zunft.

Der Leser kommt nicht vor

Nicht etwa als wichtiger Testleser des Buchhändlers oder gar als Brücke zwischen Lesern und Verlag erscheint der Autor hier, sondern eher als Querulant und Bücherdieb. Das mag amüsieren. Die Dynamik hingegen, die ein funktionierendes Lesepublikum für den Erfolg einer Buchhandlung haben könnte, erwähnt Lehmkuhl-Inhaber Lemling nur am Rand.

Dass er die „Beratung“ der Kundschaft durch seine Mitarbeiter überhaupt hervorhebt, ist ein Indiz dafür, mit welcher Kaltschnäuzigkeit Kunden im Normalfall ignoriert werden. „Keine Angst, in Datteln bestimme ich, was gelesen wird“, zitiert etwa Spinnen den lokalen Buchhändler. Die Äußerung liegt lange zurück und dieser „Geschäftsmann“ wurde sicher längst das Opfer seiner Bestimmung. Gleichwohl!

Auch die Abscheu vor dem „Einzug von Eierbechern und Plüschtieren“ in den Buchhandel zeigt die groteske Weigerung, sich mit den Bedürfnissen der Kunden zu beschäftigen. Die Zukunftsangst stolziert hier im Gewand der Hochnäsigkeit daher und sitzt tief in diesen Menschen. Sie bringen im selben Atemzug als Argument gegen eBooks hervor, sie seien halt mehr „die haptischen Typen“. Ja sind denn die Kinder, die Bücher UND Plüschtiere wollen, keine haptischen Typen!?

Amazon interessiert sich für mich!

Amazon kennt dank guter Tools meinen Geschmack und regt mich mit aufmerksamen Empfehlungen zum Lesen an. Und  so bleibt es mir erspart, mich zwischen Kubikmetern uninteressanter „Stapelware“ (ein Buchhandelsausdruck!) zu verlieren oder mich mit meinen Fragen dem Ekel gelangweilter Stadtteilbuchhändlerinnen auszusetzen.

Buchhandlungen verstehen sich nicht als Gemeinschaft mit Ihren Kunden, als „Social Community“. Wenn man die Kunden nicht schleunigst fragt, was sie bewegt und wie sie sich das Einkaufen wünschen, wenn man sie nicht als wichtigen Gesprächspartner akzeptiert, verschwindet man aus dem Adressverzeichnis der Stadt. Aber dazu müsste man gehörig umdenken und neu kalkulieren. Von der Idee eines Kinderlands wie etwa bei IKEA, das Eltern den Einkauf erleichtern würde, ist man im deutschen Buchhandel ohnehin weit entfernt!

Hier geht’s zu dem buchjournal-Artikel

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