Verlage

Druckkostenzuschuss für Ihr Buch – niemals!

DruckkostenzuschussDruckkostenzuschuss, für neue Autoren leider oft das Zauberwort. Das Buch ist fertig aber es findet sich kein Verlag, der das Buch veröffentlichen will. Oft genug sind diese Autoren frustriert, weil sie keinen Verlag oder Agenten für ihr Werk zu finden. Und das ist dann der Moment, in dem die Druckkostenzuschuss-Falle zuschnappt. Aber beginnen wir die Geschichte von vorne. Es ist eine alltägliche Geschichte.

Die Autorin, nennen wir sie Carmen Kaktus (49 Jahre), ist Controllerin in einem DAX-notierten Unternehmen. Sie hat Erfolg und ist selbstbewusst. Aber seit einiger Zeit ist sie unzufrieden. Sie möchte mehr aus ihrem Leben machen und schreibt einen Krimi über die Verwicklung eines DAX-Unternehmens in einen Umweltskandal. Sie wollte immer schon schreiben und sie kann schreiben, das weiß sie. Aber sie ist unerfahren. Sie findet einen griffigen Titel für ihr Werk. Freunde und Verwandte lesen den Krimi und geben ihr wohlwollend Feedback. Sie finden den Roman brillant. Jetzt fehlt nur noch der Verlag.

Das Drama kann beginnen

Druckkostenzuschuss publi4all Thomas HoffmannWeil Carmen Kaktus in ihrer Freizeit schon immer Krimis gelesen hat, weiß sie, welche Verlage sie ansprechen wird. Dabei geht sie durchaus intelligent vor. Sie sucht sich nicht die größten heraus sondern übt erst einmal mit Spezialverlagen. Bald ist sie frustriert, weil sie bei keinem der Verlage den Namen des Lektors herausfindet. Im Allgemeinen erhält sie im Vorzimmer die lakonische Auskunft, man bekomme täglich unverlangte Manuskripte von zweifelhafter Qualität zugesandt, aber Sie könne, wenn Sie darauf bestehe, das ihre ja noch obendrein senden, bitte an info@verlag.de/Lektorat. Sie weiß nicht, ob Ihre E-Mail von einem Mann oder einer Frau gelesen wird. ist es nur die Sekretärin oder jemand aus dem Lektorat?

Sie untersucht das Programm jedes einzelnen Verlages und begründet in ihrem Anschreiben, warum der Umwelt-Krimi unbedingt in dem jeweiligen Haus veröffentlicht werden sollte. Wenn sie eine  Antwort erhält, meist eine fadenscheinige Absage, wie etwa, ihr interessanter Roman passe nicht in das Programm. Carmen denkt sich wohl, dass kein Verlag es riskieren will, eine nicht mehr ganz junge Frau als Jungautorin herauszubringen. Ihr Controller-Herz lehnt Risiken auch ab, aber sie ist trotzdem frustriert.

Die Druckkostenzuschuss-Falle schnappt zu

Carmen Kaktus liest selbst eBook. Sie weiß, dass Autoren ihre eBooks ohne Verlag veröffentlichen können auf Plattformen wie kindle direct publishing oder xinxii. Aber Sie ist da ganz eigen, sie will ein richtiges Buch in einem richtigen Buchladen sehen. In der Zwischenzeit tauchen dank der Google-Algorithmen immer häufiger Druckkostenzuschuss-Verlage in Carmens Suche auf und sie kann es nicht lassen, immer mal wieder in die DRuckkostenzuschuss Thomas Hoffmann München publi4allAnzeigen hineinzulesen. Und lässt sich spaßeshalber einen Vertrag zusenden. Sie traut ihren Augen nicht. Dieser Verlag verlangt einen fünfstelligen „Druckkostenzuschuss“. Als Controllerin fragt sie sich sofort, warum sie dann erst nach dem tausendsten verkauften Exemplar eine Tantieme von mickrigen 10 % erhält.

Nein, einen Druckkostenzuschuss will sie nicht bezahlen, denkt Sie und sucht standhaft weiter nach „ihrem“ Verlag. Was ihr dabei alles wiederfährt und wie Carmens Drama endet, erzähle ich Ihnen in meinem nächsten Blog Post. Ich gebe Ihnen ein paar Tipps, wie Ihr Weg weniger steinig sein wird, als der von Carmen Kaktus. Und Sie lernen, warum Sie (fast) nie wieder über einen „Druckkostenzuschuss“ nachdenken werden.

Leser – unbekannte Wesen im eBookCamp?

Leser eBookCamp ohne Leser Thomas Hoffmann publi4allDie Leser sind ja die wichtigsten Bezugsgrößen für Unternehmen, die Bücher oder eBooks machen, sollte man meinen. Das eBookCamp ist ein innovativer Kongress, der gestern zum ersten Mal in München stattfand – ohne Leser. Darum sollte es gehen:

„Ums digitale Publizieren in allen Facetten. Um die Frage, was überhaupt noch ein BUCH ist. Wie wir zukünftig lesen. Wie wir lesen wollen. Was Verlage, Buchhändler und Leser tun können, um die schönste aller Lesewelten zu gestalten… Und wie sich gemeinsam Lösungen finden lassen um das, was wir lieben, möglicherweise noch besser zu machen: das Buch.“ (Auszug aus der Wordpress-Site von eBookCamp).

leserDie Veranstaltung, bei der neben den Vorträgen das Netzwerken im Vordergrund stand, fand im Impact HUB Munich statt. Die Teilnehmer des Kongresses fühlten sich gut aufgehoben von der inspirierenden Atmosphäre dieses Ortes und der unaufdringlichen Bewirtung durch die Gastgeber.

Die viel versprechenden Sessions wurden parallel in drei Räumen des HUB abgehalten. Zunächst besuchte ich den Vortrag von Matthias Matting, dem Indie-Autor der Self-Publisher-Bibel, zur Preisgestaltung von eBooks. Matting räumte mit einigen Vorurteilen auf, wie zum Beispiel, dass eBooks wenig kosten müssen, um erfolgreich sein zu können. Den aktuellen Verkaufsstatistiken seiner Self-Publisher-Bibel wurden von einem Teilnehmer Suchtpotential attestiert.

Die Technik des eBook-Machens?

Leser Twitter eBookCamp Thomas Hoffmann publi4all MünchenAls ePublisher berate ich viele Autoren und schreibende Spezialisten. Dabei ist es mir ein Anliegen, den Blick meiner Autoren für die Bedürfnisse und Gewohnheiten der Leser zu schärfen. Denn für wen macht man Bücher? Für die Leser.

Darum fand ich es schade, dass bei dieser innovativen Veranstaltung die „Buchmacher“ kaum einen Versuch unternahmen, die Leser als Daseinsgrund in ihre Überlegungen einzubeziehen. Selbst bei einem Vortrag über das Marketing von eBooks beschäftigte man sich derartig intensiv mit Methoden und Workflow, dass der Leser nur am Rande vorkam. Dabei bietet gerade das elektronische Publizieren und soziale Medien wie Facebook und Twitter die historische Chance, Lesern durch Rückkoppelung in den Produktionsprozess zu integrieren.

Fragen, „(w)ie wir lesen wollen und (w)as Verlage, Buchhändler und Leser tun können, um die schönste aller Lesewelten zu gestalten“ (eBookCamp-Site), wurden kaum besprochen. Man fragt sich, ob die Teilnehmer einfach noch zu sehr von der Komplexität der neuen Technik in den Bann gezogen sind…

Ein Buchhändler, der an die Leser denkt

iStock_000007041142XSmall1-150x150Einen Vortrag, der sich strikt am Nutzen für die Leser orientierte, war der Bericht des Weilheimer Buchhändlers Robert Stöppel über den Verkauf von eBook-Readern und eBooks in bei STÖPPEL und über seine Erfahrungen  mit dem E-Shop stoeppel24.de.

Ist der Verkauf von eReadern und über den Internet-Shop nach wenigen Jahren noch keineswegs rentabel, so betrachtet Robert Stöppel doch als ein entwicklungsfähiges Nebenprodukt wie Geschenke oder Schreibwaren. Am meisten beeindruckte mich, wie klar der Buchhändler darlegte, dass seine Kompetenz in Sachen eBook für ihn vor allem ein Mittel ist, um seine Kunden, die Leser an sich zu binden.

Alles in Allem ein spannender Nachmittag für mich! Meine Erkenntnisse werden fließen in den Vortrag ein, den ich beim 1. SelfPublishingDay am 12. April in Würzburg halten werde.

 

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